BDV 2019 in Osnabrück

Vom 14. bis 16. November 2019 trafen sich die Architekten aus ganz Deutschland im niedersächsischem Osnabrück. Neben den baupolitischen Diskussionen, den kulturellen Besichtigungen und dem Ritt auf der Hasewelle bildete eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Competition – Architektenwettbewerbe … ein Impuls“ im Rathaus den Höhepunkt einer gelungenen und erfolgreichen Bundesdelegiertenversammlung.

Die Vereinigung freischaffender Architekten Deutschlands setzt sich seit 1958 als Berufsverband für die Belange der Freischaffenden und ihre Büros ein und vertritt dabei alle vier Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung. Als oberstes Gremium tagen die Bundesdelegierten jährlich um die berufspolitischen Interessen der Architektinnen und Architekten – gerade auch der kleineren Büros – zu vertreten. Gastgeber war in diesem Jahr die Friedensstadt an der Hase.

Bereits am Donnerstagabend trafen sich die Kolleginnen und Kollegen aus den 11 Landesgruppen zum Besuch der Ausstellung „bauhaustapete – neu aufgerollt“ im Felix-Nussbaum-Haus. Das Erste vom amerikanischen Architekten Daniel Libeskind gebaute und eröffnete Gebäude von 1998 bot den Rahmen für einen besonderen Abend. 1929 wurde auf Anregung von Dr. Emil Rasch die Bauhaustapete in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus Dessau entwickelt und die erste Bauhaus-Kollektion herausgegeben. Als einziges Industrieprodukt des Bauhauses, wird die bauhaustapete seit 1929 immer wieder neu aufgerollt. Neben dem aktuellen Geschäftsführer der Rasch Tapetenfabrik, Dr. Frederik Rasch, waren auch sein Vater, Gerrit Rasch, und die Kuratorin Maren Waike-Koormann zur Erläuterung der Ausstellung gekommen. Die Ausstellung im kulturgeschichtlichen Museum läuft noch bis zum 08.12.2019.

Besuch im Felix-Nussbaum-Haus Foto: VFA Landesgruppe Niedersachsen

Der Freitag begann mit dem ersten offiziellen Tagungsteil. Dort stellte der Dorstener Architekt und später neu gewählte Vizepräsident Finanzen, Christian Schmidt, sein Velomobil vor, mit dem er einen Großteil seiner beruflichen Terminen wahrnimmt und auch die über 120 km Anfahrt nach Osnabrück vollzogen hat. Damit gab es auch einen guten Übergang zur Begrüßung durch Stadtbaurat Frank Otte, der gleichzeitig auch 1. Vorsitzender der AGFK (Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen Niedersachsen/Bremen e.V.) ist. Er freute sich über die Entscheidung der deutschen Architektenschaft ihre Tagung in der niedersächsischen Großstadt durchzuführen.

Christian Schmidt mit Velomobil in Osnabrück Foto: Dirk Büscher

 

Nach Begrüßung durch den niedersächsischen Landesgeschäftsführer Thorsten Bick (Osnabrück), der gemeinsam mit Präsidiumsmitglied und Vorsitzendem der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland, Axel Mutert (Bramsche), die Organisation der BDV durchgeführt hat, ging es zu den Themen, welche die Architektenschaft im Moment beschäftigt. Die ausgezeichnete internationale Vernetzung der VFA, insbesondere im ACE, nutzt der Verband der Freischaffende für seine Mitglieder, gerade auch in Hinblick auf die Folgen des Urteils des europäischen Gerichtshofs zur HOAI.

Im Rahmen der Versammlung kam es auch zu zwei Ehrungen. Zunächst wurde dem langjährige Landesvorsitzenden von Niedersachsen (1998–2016), Ralf-Dieter Hantschel die Ehrenmitgliedschaft für sein jahrzehntelanges Engagement für den Berufsverbands verliehen. Von 1991 bis 2015 war er Mitglied der Vertreterversammlung in der Architektenkammer Niedersachsen und u.a. dort auch als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsauschusses aktiv. Er hatte mit seinem Wunsch nach einer Bundesdelegiertenversammlung in „seiner“ Stadt Osnabrück schon vor Jahren die Weichen dafür gestellt hat und die Organisation mitgestaltet. Die Delegierten ehrten seine Verdienste auch mit stehendem Beifall.

Matthias Irmscher, Axel Mutert, Thorsten Bick, Ralf Hantschel Foto Dirk Büscher

Die Laudation für den scheidenden Vizepräsident Finanzen, Helmut-Horst Schmidt, ließ sich sein langjähriger Freund, Ministerialrat a.D. Günther Hoffmann, nicht nehmen. Er würdigte den Darmstädter Architekt für seinen vielen Verdienste, die 2012 auch mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurden. Helmut-Horst Schmidt, seit Mai 1978 Mitglied „seines“ Berufsverbandes VFA, war über 14 Jahre Vizepräsident Finanzen in der VFA, seit 1984 in der Vertreterversammlung der Architektenkammer Hessen und dort auch im Vorstand. Seine Vorliebe für Zahlen brachte er auch als Vorsitzender des Haushaltsausschusses der Bundesarchitektenkammer ein. Mit stehendem Beifall ehrten ihn in diesem Jahr die Delegierten der VFA zum Ehrenmitglied.

Bereits vor drei Jahren hatte Helmut-Horst Schmidt den Wunsch geäußert, einen Nachfolger für sein Amt zu finden, um es selbst zu übergeben. Auch dieses ist ihm gelungen. Wobei die Namensgleichheit rein zufällig ist, und nicht der Weiterverwendung des Stempels geschuldet ist, wie er schmunzelnd erwähnte.

Matthias Irmscher, Helmut-Horst Schmidt, Günther Hoffmann Foto: Dirk Büscher

 

Einstimmig wählten die Delegierten den Dorstener Landschaftsarchitekten und Fahrradenthusiasten Christian Schmidt zum neuen Vizepräsident Finanzen, nachdem er bereits in den letzten drei Jahre als Beisitzer mit dem Schwerpunkt Finanzen im Präsidium vertreten war. Wie er treffend nach Annahme seiner Wahl sagte, möchte er nicht in die Fußstapfen seines Vorgängers treten, sondern seine eigene Spuren in der VFA hinterlassen.

Zum neuen Beisitzer im Präsidium wurde der Frankfurter Architekt und Landesgeschäftsführer von Hessen, Bernd Schenk gewählt. Er hat sich bereits in den vergangenen Jahren mit der Profilschärfung der VFA beschäftigt und wird dieses nun in das Präsidium tragen.

 

Am Nachmittag startete dann ein umfangreiches Rahmenprogramm: Zunächst begaben sich alle Teilnehmer auf eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus des Typs MAN SD 200 aus dem Jahr 1980 des Traditionsbus Osnabrück e.V.. Stadtführer und Küster Carsten Niemeyer gewährte den Architektinnen und Architekten einen Blick auf historische und neue architektonische Highlights von Osnabrück. Ein Zwischenstopp zu Currywurst und Schampus gab es im Speicher Osnabrück, dem neuen Kreativquartier im Hafen. Danach empfing Stadtbaurat Frank Otte die Kolleginnen und Kollegen im historischen Friedenssaal des spätgotischen Rathaus. In dem europäischen Kulturerbe erläuterte der den Westfälischen Frieden und das daraus resultierende Selbstverständnis der Stadt als Friedensstadt.

Stadtbaurat Frank Otte begrüßt im Friedenssaal die VFA Foto: Dirk Büscher

Im darüber gelegenen Ratssitzungssaal hatte die VFA anschließend zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen aus Deutschland und dem diesjährigen Partnerland der BDV, den Niederlanden, eingeladen. Moderator Dirk Bonnkirch, Redakteur von Competitiononline, begrüßte vor über 100 Teilnehmern die Architekten Mels Crouwel von Benthem-Crouwel Architects aus Amsterdam und Rob Beerkens von MAS architectuur aus Hengelo/Rotterdam. Die Sicht der deutschen Architektenschaft auf das Thema „Architektenwettbewerbe … ein Impuls“ wurde von Matthias Burkart, 4a Architekten, Stuttgart, und Robert Marlow, MOSAIK Architekten, Hannover, gleichzeitig Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, sowie Frank Otte, Architekt und Stadtbaurat Osnabrück, eingebracht.

Podiumsdiskussion im Rathaus von Osnabrück mit der VFA Foto: Dirk Büscher

Den Zuschauern bot sich eine interessante, spannende und unterhaltsame Talkrunde, die auch den Dialog mit dem Publikum aufnahm.Nach einer Besteigung des Marienkirchturms der gotischen Hallenkirche St. Marien wurden die Delegierten im neuen Sporthaus von L&T Lengermann & Trieschmann vom Geschäftsführer Mark Rauschen empfangen. Architekt Professor Holger Moths, Hamburg, referierte über die bauliche Umsetzung. Forum war die sogenannte Hasewelle, eine stehende Welle zum Surfen. Neben der technischen Erläuterung folgte eine Vorführung des Indoor-Surfens, bevor im Modehaus eigenen Restaurant die Gespräche mit den Referenten der Podiumsdiskussion und der Vorträge vertieft wurden.

Surfen mit der VFA bei L&T Foto: Dirk Büscher

Der zweite Tagungstag steuerte nach den Regularien mit einem eindrucksvollen Bericht von Matthias Burkhart zum Deutschen Kulturrat auf den Abschlusshöhepunkt der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung zu: Der Preisverleihung des VFA-Studentenwettbewerbs 2019 „Stadt. Land. Flucht.“. Der Wettbewerb wurde gemeinsam mit der Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft „Solidarität“ Zeulenroda eG ausgelobt und war mit einem Preisgeld von insgesamt 12.500 € dotiert.

Studenten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum beschäftigten sich mit großer Beteiligung thematisch mit der Entstehung von lebenswerten Nachbarschaften und dem Entgegenwirken der Landflucht. Es entstanden Untersuchungen, über welche Parameter die Attraktivität des nicht-urbanen ländlichen Raums für alle Bewohner generiert und gesteigert werden kann.Die hochkarätige Jury, der als Besonderheit jeweils auch der Preisträger des vorjährigen Studentenwettbewerb der VFA angehörte, hatte die Arbeiten zu bewerten. Eine Anerkennung entfiel auf die Arbeit von Beatrice Felix von der Leibniz Universität Hannover. Der dritte Preis ging an Sabrina Witzlau und Caroline Lischke von der Bauhaus Universität Weimar. Die beiden ersten Preise gingen an Lucas Wolf und Gabriel Motsch von der Schule für Architektur Saar sowie Julia Simon und Lea Koch von der Bauhaus Universität Weimar.

Die Sieger des Studentenwettbewerbs der VFA 2019 Foto: Dirk Büscher

Damit endete eine spannende, unterhaltsame und erfolgreiche Bundesdelegiertenversammlung in Osnabrück mit der Gewissheit: Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb – der neue Studentenwettbewerb 2020 ist bereits in Vorbereitung und startet demnächst. Informationen dazu gibt es dann rechtzeitig unter www.vfa-architekten.de.

Dirk Büscher