Es ging schon lange um das Wollen, nicht um das Können

Am 29. April 2021 hat das Bundesverfassungsgericht ein bahnbrechendes Urteil gefällt und die Klimapolitik der Bundesregierung im Bereich des Klimaschutzes als teilweise verfassungswidrig eingestuft. Ein Schlag ins Gesicht der handelnden Politiker:innen und mehr als nur eine Ohrfeige, wie man in der Presse lesen konnte. Nun stellen sich die Minister:innen vor die Öffentlichkeit und nennen dieses Urteil herausragend und von historischer Bedeutung für den Klimaschutz.

Bei allem Respekt, den man den führenden Politkern:innen in diesem Lande entgegenbringen muss: ich fühle mich von diesen Aussagen persönlich intellektuell beleidigt. Was haben diese Damen und Herren denn die letzten Jahrzehnte für eine Politik vorangetrieben? Sie haben genau das Gegenteil vom dem getan, von dem sie nun sagen es sei eine historische Möglichkeit. Bye the way – ich lasse mich nicht gerne vereimern.

 

Doch halt – STOPP, lassen Sie uns einmal darüber nachdenken, was wir, die Architket:innen, Landschaftsarchitekt:innen, Innenarchitekt:innen und Stadtplaner:innen, in den letzten Jahren und Jahrzehnten für den Klimaschutz getan haben?! Haben wir uns nicht allzu oft auf Gesetze, Verordnungen und mögliche Kosten für Bauvorhaben zurückgezogen?

Genau das Gegenteil hätten wir tun müssen, kommunizieren müssen, dass man viel mehr in Dämmung und alternative Bauweisen investieren sollte.

Wir können heute besser bauen als wir es tun und je zuvor tun konnten. Wir können alternative, mitweltfreundliche Baustoffe einsetzen, wir können Gebäude bauen, welche wesentlich besser sind, als die Vorgaben des Staates es erfordern. Die Frage ist also nicht eine Frage des Könnens, sondern des Wollens.

Wir können uns mit unseren Institutionen dafür einsetzen, dass Politik den Klimaschutz ernst nimmt und weitreichende Rahmenbedingungen so setzt, dass sie auch klimarelevante Veränderungen im positiven Sinne ermöglichen. Wir können Vorreiter sein und müssen nicht warten, bis uns gesagt wird was zu tun ist.

Niemand verbietet uns, besser zu bauen als DIN oder EnEV es vorgeben. Niemand verbietet uns, uns dafür einzusetzen, dass der Flächenverbrauch von 52 ha/pro Tag endlich weiter eingeschränkt wird. Niemand verbietet uns, uns dafür einzusetzen, dass Sanierung, Modernisierung und Umnutzung von Gebäuden stärker in den Fokus genommen werden. Unsere Institutionen wie BAK und die Länderkammern müssen verstärkt darauf Einfluss nehmen, die Klimakatastrophe als das zu begreifen, was sie ist – eine Katastrophe! Wir können und müssen der Politik Hilfestellung geben die notwendigen Dinge anzugehen.

Jeder von uns kann etwas tun. In seinem Bereich und mit seinem Eintreten für den Klimaschutz. Lebenswertere Städte ohne viel Autoverkehr, mit viel Raum für Grün und Platz für die Bewohner, gute Vernetzungen in den ländlichen Raum, annähernd gleiche Lebensbedingungen in Ost und West, in Nord und Süd. Stärkung der digitalen Infrastruktur, Förderung des Zusammenhalts der Gesellschaft. Die Liste ist lang und länger und wir müssen Vorreiter sein!

 

„You may say I’m a dreamer but I’m not the only one….…“

Christian Schmidt

Vizepräsident Finanzen