STUDIERENDENWETTBEWERB 2021/22 DER VFA

„Bauplan“ Corona 

Bauten für lebendige Städte –

Neue Ideen für eine Architektur der Intervention     

Die Corona-Epidemie beschleunigt nicht nur den Prozess der Digitalisierung. Blickt man auf die Geschichte zurück, so ist absehbar, dass Corona auch Auswirkungen auf die Architektur haben wird. Zwischen  kollektiven Erkrankungen und gebauter Umwelt hat historisch immer ein Wechselspiel bestanden.

Die rasche Verbreitung von Covid-19 wirft unzählige Fragen auf. Architekten stehen vor dem Problem, wie Räume des öffentlichen Lebens, zum Beispiel Fitnessstudios, Krankenhäuser, Hotels und Büros besser entworfen und gestaltet werden können, um Social Distancing in Zukunft adäquat zu gewährleisten. Dass sich Pandemien auf die Architektur auswirken, ist keine Seltenheit in der Geschichte. Man denke an Haussmanns Stadtumbau von Paris im 18. Jahrhundert, an die Neugestaltung der Londoner Infrastruktur nach Ausbruch der Cholera-Epidemie im Jahr 1954 und nicht zuletzt daran, wie die Stadt New York im 19. Jahrhundert Maßnahmen ergriff, um die ärmlichen Lebensbedingungen in den Mietskasernen der Stadt zu verbessern.

Städte und Architektur werden zukünftig gewinnen, wenn sie sich wandeln und der Gemeinsinn größere Bedeutung erhält.Die Zukunft gehört der Stadt, die umsichtig, aber selbstbewusst handelt, das zeigt die gegenwärtige Krise. Sie führt uns vor Augen, wie schnell sich Gewohnheiten wandeln können und wie einschneidend sich neue Regeln des Zusammenlebens auf das öffentliche Leben auswirken. Sie zeigt, wie wichtig den Menschen ihre Städte sind und wie sehr sie das Leben in der Öffentlichkeit, auf Straßen und Plätzen brauchen.

Bis vor kurzem gab es vielfach die Ansicht, das Internet bedeute das Ende der Urbanität. Soziale Plattformen drohten den öffentlichen Raum zu ersetzen. Wozu noch selbst einkaufen gehen bei all den Lieferdiensten? Wofür Konzerte und Kinos, wo es doch zahlreiche Streaming-Angebote gibt?

Nun wird das Home-Office allerorten als neue Arbeitsform etabliert und hält Einzug in den angestammten Wohnbereich. Forscher erwar-ten einen Rückgang an konventionellen Büroflächen und schwindende Verkaufsflächen in den Innenstädten.

Durch die Corona-Maßnahmen verursacht vollzieht sich der Wandel unserer Stadtzentren derzeit im Turbo-Modus. Gleichzeitig steigt das coronabedingte Umsatzplus im E-Commerce. Das bisherige Geschäftsmodell unserer Innenstädte droht zu sterben. Wir agieren in  einer post-industriellen und prä-digitalen Umgebung. Die technologische und sozio-kulturelle Transformation bildet dabei neue Erwartungshorizonte.

Dennoch: Die Krise birgt Chancen und Ressourcen für eine mögliche neue Entwicklung.

Leerstehende Objekte in Ballungsräumen müssen nicht verfallen. Sie lassen sich als  neu gewonnene „Freiräume“ nutzen und eröffnen vielfältige Möglichkeiten für kulturelle, gastronomische und freizeitorientierte Angebote. Büroflächen können so entwickelt werden, dass sie in gleichem Maße konzentrierte, isolierte Einzelarbeit und produktive Team-arbeit möglich machen können. Die Bedeutung des gemeinsamen Arbeits-umfeldes wird sich zwangsläufig wandeln. Für das Leben in ländlichen Regionen eröffnen sich angesichts von Digitalisierung und Home-Office-Szenarien durch Leben und Arbeiten in naturnaher Umgebung ganz neue Möglichkeiten.

 

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