Christian Schmidt | VfA Mitglied

Christian Schmidt ist Landschaftsarchitekt in Dorsten und Vizepräsident der VfA.

Was muss gute Architektur leisten?
Gute Architektur sollte zu Kontroversen und Diskussionen anregen. Es gibt nicht die eine Wahrheit und nicht die eine gute Architektur. Auf jeden Fall sollte sie passen, wozu oder zu wem oder zu was, das bleibt dann mal offen und muss von den jeweiligen Protagonisten beantwortet werden.

Welches ikonische Gebäude hätten Sie gerne selbst entworfen?
Da ich als Landschaftsarchitekt immer verstärkt auf das Gesamtensemble schaue, ist der Park von Sanssouci in seiner Gesamtheit schon ein Knaller. Als Parkanlage im Bereich der Landschaftsgestaltung im großen Rahmen hat mich der Besuch im Fürst-Pückler-Park in Muskau sehr beeindruckt.
Um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Mein Favorit wäre das Bauhaus in Dessau, als wirklich zeitlose Architektur. Direkt nach der Wende durfte im Rahmen eines Studentenwettbewerbes dort nächtigen und war von der Klarheit der Architektur tief bewegt. Diese Begegnung hat mich die Welt mit anderen Augen sehen lassen.

Was wünschen Sie sich für die gebaute Umwelt?

Hier würde ich den Begriff Mitwelt bevorzugen, da ich mich als einen interaktiven Teil des Ganzen sehe. Bei der Gestaltung dieser Mitwelt wünsche ich mir, dass der Mensch wieder mehr im Mittelpunkt steht. Man hat manchmal den Eindruck, dass die Beton- und Zementindustrie sowie die Autoindustrie bestimmen, wie wir in städtischen Umgebungen leben sollen. Hier wäre mehr Mut zum Rückbau von bestimmten Infrastrukturen angebracht. Es fehlt an Durchgrünung, Wasserrückhaltung, Entsiegelung und, und, und, ……… ! Die gesamten Konzepte und Maßnahmen liegen seit über dreißig Jahren auf dem Tisch, nur angewendet werden sie nicht.

Warum sind Sie Mitglied der VfA geworden?

Als ich mich vor einigen Jahren entschloss einem Verband beizutreten, gab es für mich nicht allzu viel Alternativen. Es gab eine nahe Bezirksgruppe und ein Kollege aus der VfA, den ich schon vorher kannte, sagte zu mir: „Das sind alles Bekloppte im positiven Sinn, da passt Du rein!“ Wenn man so nett eingeladen wird, kann man schlecht nein sagen. Ein weiter Grund war das örtliche Netzwerk und damit meine ich nicht die sozialen Medien. Man muss sich halt austauschen können und viele KollegInnen haben ja die gleichen Probleme wie man selbst – somit liegt es nahe, sich regelmäßig zu treffen.

Welche Interessen und Leidenschaften pflegen Sie außerhalb des Berufs?

Als erstes nenne ich da das Rad fahren, allerdings in einer extremen Form. Das äußert sich in Touren, die durchaus über größere Entfernungen gehen und mehrere Wochen dauern. Übers Jahr verteilt kommen da 12.000 km Radstrecke zusammen. Die zweite Leidenschaft ist das Schachspiel, welches ich schon seit 40 Jahren als Sport betreibe.