Studentenwettbewerb 2019: Stadt – Land – Flucht

Ein großes gesellschaftliches Thema wurde in diesem Jahr vom Studentenwettbewerb, in Zusammenarbeit mit der  Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft „Solidarität“  Zeulenrodea eG, aufgegriffen – die Landflucht.  Unter dem Thema Stadt- Land- Flucht wurden die Studierenden aufgefordert ihre Visionen vom Leben auf dem Land darzustellen. Exemplarisch am Beispiel der Stadt Zeulenroda, im Landkreis Greiz in Thüringen. Es stellt sich die Frage, wie sieht das Wohnen, Arbeiten  und Leben auf dem Land aus, im Jahr 2030?  Welche Antworen lassen sich finden, für die Nach- bzw. Umnutzung von Plattenbauten. Welche Aufenthaltsqualitäten lassen sich in Bereichen schaffen, die bisher nur vom Wegzug und vom Verlassen gekennzeichnet sind. Wie kann man städtebaulich und architektonisch darauf Antworten finden.

Bislang konnten nur wenige Antworten  auf die wachsenden Probleme in ländlichen Regionen gegeben werden, welche sich nicht nur auf die digitalen Defizite des ländlichen Raumes beschränken. Sie greifen weiter und suchen  Antworten für den Gesamtkontext von Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Familie und Lebensqualität im Allgemeinen.

Diese Fragen waren der Schwerpunkt beim letzen Studentenwettbewerb der VfA.  Wie sehen die ländlichen Räume der Zukunft aus? Welche Quälitäten müssen Städte und Gemeinden bieten, um junge Menschen und Familien wieder aufs Land zu locken?  Welche Anspüche sind vorhanden und können die ländlichen Gemeinden den Konkurenzkampf mit den Metropolen überhaupt aufnehmen?

Die Jury unter Vorsitz von Matthias Burckhardt VfA konnte auf ihrer Sitzung am 07. August 2019 in Berlin unter zwölf Wettbewerbsbeiträgen auswählen. Sie vergab zwei 1. Preise, einen 3. Preis; ein Beitrag wurde zum Ankauf ausgewählt.

Preisträger

1. Preis: Mehr Stadt in der Stadt

Entwurfsverfasser: Julia Simon & Lea Koch (Bauhaus Universität Weimar)

Begründung der Jury:

„Hierbei handelt es sich um eine feinsinnige Arbeit, die behutsam mit dem Bestand umgeht. Durch reduzierte bauliche Eingriffe werden Gebäude mit eigenem Charakter geschaffen. So entsteht ein Quartier, das das Miteinander im (Wohn)Raum unterstützt. Die Jury findet, bei d

er Arbeit handelt es sich um einen ganzheitlichen, generellen Ansatz für den ländlichen Raum, die einen überzeugenden Beitrag mit starkem Realisierungsbezug zur gestellten Aufgabe darstellt. Sie arbeitet sehr schön im Bestand unter Einbeziehung von verschiedenen Freiräumen und der Nutzung von Gemeinschaftsflächen. Es entsteht eine ausgewogene Mischung aus Bestand und Neubau wodurch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Das Preisgericht würdigt die detaillierte Ausarbeitung der Grundrisse unter Herausstellung der jeweilig individuellen Lebenssituationen der Bewohner.“

1. Preis: SATT landflucht

Entwurfsverfasser: Lucas Wolf & Gabriel Motsch (Schule für Architektur Saar)

Begründung der Jury:

„ Die große Stärke der Arbeit ist der städtebauliche Ansatz und das Feuerwerk an verschiedenen Themen, die in der abgegebenen Arbeit Beachtung finden. Das Thema Rückbau und der teilweise Neubau sowie die Differenzierung der Baukörper bricht die vorhandene, monotone Architektur auf und führt diese in eine neuzeitliche Architektursprache. Durch das Einsetzen von Laubengängen werden neue Nutzungsformen für das Quartier gedacht und somit neue Räume geschaffen.

Trotz der Erhaltung großer Teile des Bestandes gelingt es der Arbeit, viele Antworten auf die gestellten Fragen der Aufgabenstellung zu geben. Durch die behutsame Adaption der Grundrisse ergibt sich ein neuer Mix an Wohnungstypen. Als wesentlich wird die Belebung der EG-Zonen durch neue Nutzungen empfunden. Die reduzierte Masse wird sehr detailliert dargestellt und möbliert, dies geschieht nachvollziehbar und unter Einbezug des ganzen Wohngebiets. So ergibt sich mit dem Erhalt des Bestands ein neuer Kiez, der durch Freiraum, Zwischenbauten und einer Vielzahl an öffentlichen Plätzen gekennzeichnet ist. Kleine Mängel, die die Jury feststellte sind: Einzelne Recherchefehler und eine fehlende Barrierefreiheit im Erdgeschoss. Eine Adaption auf andere strukturschwache Regionen mit ähnlicher Bestandsstruktur erscheint der Jury für möglich. „

3. Preis:  Unter Nachbarn

Entwurfsverfasser: Sabrina Witzlau & Caroline Lischke (Bauhaus Universität Weimar)

Aus der Begründung der Jury:

„Der Entwurf stellt einen sehr gelungenen architektonischen Beitrag zur gestellten Aufgabe dar. Dies geschieht vor allem durch die neu hinzugefügten Bauteile an den Gebäuden wie bspw. Laubengänge und Balkone. Die Laubengänge dienen nicht nur der Erschließung sondern stellen auch erweiterte Wohn- und Lebensräume dar, tragen dem kommunikativen Nachbarschaftsgedanken Rechnung und können als Treffpunkte von Bewohnern und Gästen gelten. Diesen Aspekt hebt die Jury hervor. Mit einfachen Elementen wie eingeschossige Modulbauten werden die Zwischenräume zur öffentlichen Nutzung umgestaltet. Das Preisgericht würdigt die sehr gelungene Darstellung des architektonischen Entwurfs und des Renderings. Hervorzuheben ist die Bearbeitung im Bestand, das Setzen von Implantaten in den Zwischenhöfen. Als unzureichend wird der städtebauliche Ansatz empfunden. Ein Weiterdenken des städtebaulichen Gesamtkonzepts fehlt.“

 

Die Preisverleihung fand auf der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung der VfA am 16. Nobvember 2019 in Osnabrück statt.